Dänemark, das gute Gefühl, in guten Händen zu sein!

Tja, geplant war eine Dänemark Rundreise, aber das Schicksal hatte mal wieder etwas anderes mit mir vor.

Nach den ersten Tagen war ich auf einmal etwas unruhig, konnte kaum schlafen und irgendwie war’s mir komisch. Morgens um 4 meinte dann Stephie, was ist denn mit deinem Herz los, es schlägt ja wie verrückt. Ich merke nichts. Doch es rast richtig doll.

Hm, Puls gefühlt, nichts, kein Puls zu spüren. Ok, ich schau mal auf meine Sportuhr. Oha, seit gestern Abend um ca. 11:00 Uhr ist mein Puls schon von 60 auf 160. Was ist das? Was hat das zu bedeuten? Was stimmt da nicht?

Ok, Messgerät angeschlossen und wieder, 156 Puls. Also erstmal googeln, was das bedeuteten kann. Oha, nichts gutes.

Da man in Dänemark grundsätzlich immer die Ambulanz anrufen soll, da nicht alle Krankenhäuser eine Notaufnahme haben, gleich mal die 112 gewählt. Nach ein paar kurzen Fragen wurden dann gleich eine Ambulanz zum Campingplatz geschickt, die mich sofort an ein EKG angeschlossen hat. Das war das erste, was mir positiv aufgefallen ist, die Daten werden Live an einen Arzt in einem Krankenhaus gesendet, der dann beurteilt wie es weitergeht. Der Arzt am anderen Ende entschied sofort, dass sie mich nach Hjørring ins Krankenhaus bringen sollten.

War nicht schön, weder für Stephie noch für mich, dass sie nicht mitkonnte, da ja der Hund im Wohnmobil war. Ganz ehrlich, es war ein scheiss Gefühl, diese Ungewissheit, was passiert jetzt mit mir. Für uns beide!

Von der Notaufnahme wurde ich dann gleich in die Kardiologie geschoben, wo ich schon erwartet wurde. Der leitende Arzt, Jens Peterson, sprach zum meiner Beruhigung perfekt deutsch und englisch. Er machte erstmal ein Ultraschall vom Herzen und entschied dann etwas, was mich nicht wirklich beruhigte.

Volkmar, wir geben dir jetzt eine Spritze, die einen Atem- und Herzstillstand hervorruft. Hab keine Angst, wir sind dafür bestens ausgebildet, wissen was zu tun ist und alle eventuell notwendige Geräte stehen bereit. Hm, jetzt wurde mir dann doch etwas anders.

Ich mach’s kurz, das war mit das schlimmste Gefühl was ich bisher in meinem Leben hatte! Du bist bei vollem Bewusstsein, musst Atmen aber es geht nicht, und auf einmal hört auch dein Herz auf zuschlagen. Panik, absolute Panik kam in mir hoch. Schlimm war das, sehr schlimm, bei vollem Bewusstsein das Gefühl zu haben, du bist jetzt tot.

Binnen ein paar Sekunden gab man mir dann gleich ein Gegenmittel, und wieder ein paar Sekunden mehr konnte ich wieder Luft holen und mein Herz fing wieder an zu schlagen. Gott sei dank, ich lebe.

Tja, sagte der Doc, es hat leider nicht geholfen und jetzt müssen wir es mit Elektroschocks versuchen. Jetzt gleich? Er lächelte, nein, den Schmerz würdest du nicht vertragen. Wir müssen jetzt ein paar Stunden warten, dann bekommst du eine Vollnarkose und dann versuchen wir dein Herz mit Elektroschocks wieder normal zu bekommen.

Ich sag euch, die Angst, die ich die ganze Zeit hatte, dass es jetzt vorbei sein könnte, hat mich innerlich fast aufgefressen.

Naja, 3 Stunden später wurde ich dann wieder mal in einen speziellen Raum geschoben, der Anästhesist, er sprach ebenfalls deutsch, erklärte mir wieder sehr ausführlich was sie jetzt machen, bereitete die Spritze vor, machte noch ein paar Witzchen um mich etwas aufzuheitern und dann war ich auch schon weg.

Als ich nach ca. 20 Minuten wieder wach wurde, stand auch schon die nette Schwester bei mir, lächelte und begrüße mich in englisch mit den Worten, Hallo Volkmar, du bist jetzt wieder wach, alles ist gut, dein Herz schlägt wieder normal.

Leute, ihr glaubt nicht was das für ein Gefühl war! Mein Herz schlägt wieder normal, ich kann weiter leben!

Glaubt mir, ich habe lange überlegt, ob ich dazu was schreibe, und hab’s jetzt einfach gemacht, weil….

  • Das dänische Krankenhauspersonal, von der Ambulanz, über Schwestern und Ärzte war sowas von entspannt, menschlich und professionell, einfach nur vorbildlich! Also macht euch wirklich keine Gedanken wenn ihr in Dänemark eventuell mal gesundheitliche Probleme habt. Hier ist alles top und ihr seid in wirklich sehr guten Händen!
  • Für den Partner ist es ein ungutes Gefühl, nicht zu wissen was jetzt passiert. Zwar habe ich Stephie immer wieder up to date gehalten, aber die Anspannung war für sie trotzdem enorm. Aber was ist, wenn der Partner länger im Krankenhaus bleiben muss? Weiss derjenige der jetzt alleine ist wie alles am und im Wohnmobil funktioniert. Kommt Sie/er auch alleine klar? Denkt mal darüber nach, ob es dadurch, im Fall der Fälle nicht noch eine zusätzliche Belastung geben kann, die man einfach im Vorfeld beheben könnte.
  • Versteht ihr sicherlich das in meinem Kopf grad ganz andere Dinge Priorität habe, als fliegen, schöne Fotos oder interessante Texte zu schreiben.
  • Vorhofflimmern kann im Alter jeden treffen, auch mehrmals und es macht natürlich Angst, wenn man es zum ersten mal erlebt. Die Hauptgefahr ist allerdings, wie wir jetzt wissen, nicht ein Herzstillstand, sondern ein Schlaganfall. Was nicht weniger besorgniserregend ist. Google bietet da recht gute Infos zu.
  • Wenn ihr ein paar Euro übrig habt, denkt mal darüber nach euch eine Sportuhr anzulegen, die kontinuierlich den Puls aufzeichnet. In meinem Fall hat sie sehr geholfen, da die Ärzte genau sehen konnten wann mein Puls hochgegangen ist und somit natürlich auch, wie lange er schon oben ist. Ich jedenfalls habe gleich ein paar Euro investiert und mir eine neue, bessere zugelegt, die nicht nur ein EKG machen und zu einem Arzt schicken kann, sondern sogar Alarm bei Vorhofflimmern gibt, da sie dies feststellen kann. Nur als Tip!
  • Edit: Da einige nachfragten, bisher hatte ich Garmin und Fitbit. Bestellt habe ich mir jetzt eine Apple Watch, da sie alles bietet was ich benötige. >>KLICK/Link<<

Nun ja, jetzt ist es wie es ist, und sollte es bei mir nochmals auftreten, wissen wir zumindest schon mal, was zu tun ist und was es ist. Vorhofflimmern nennt man es. Nach einem langen Gespräch mit meiner Hausärztin haben wir beschlossen trotzdem weiter hier in Dänemark auf dem Campingplatz zu bleiben, einfach weil die Luft gut tut, wir hier Leute kennen auf die wir uns verlassen können, ich nun weiss das ich hier eine sehr gute medizinische Versorgung habe und natürlich auch, um nach diesem Erlebnis einfach nur zu entspannen. Denn dieses Erlebnis belastet uns beide natürlich mental sicherlich noch ein paar Tage und muss auch erstmal Verarbeitet werden.

Ein schönes Plätzchen dafür haben wir auch schon gefunden.

14 Kommentare zu “Dänemark, das gute Gefühl, in guten Händen zu sein!

  1. Moin, und zuallererst Gute Besserung & Erholung. Das braucht kein Mensch, und vor allem nicht auf Reisen. Sehr informativ die Beschreibung der Erlebnisse im KH.

    Kurze Frage noch – in welcher Region ist denn dieser Ort Hjørig ? Meine Anfrage an bekannte Kartensysteme lief ins Leere… Das Foto vom aktuellen Stellplatz: traumhaft

    Übrigens: zur Frage in Deinem vorangegangenen Post – mir ist ein abonnierter Blog 1000x lieber als die vermaledeiten FB-Gruppen!

    Alles Gute und VG aus dem verregneten Mittelhessen,

    Lutz (demnächst auf dem Wege nach DK)

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  2. Hallo Göldi, da hast du etwas mitgemacht und natürlich auch Steffi ! Wir hoffen, das es ein einmaliges Erlebnis bleibt, Gott sei dank, hattest du sehr professionelle Hilfe bekommen ! Pass schön auf dich und Steffi auf, wir hoffen, das wir euch mal irgendwann mal gesund und munter, wieder wiedersehen !
    LG Evi & Jörg

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  3. Ich habe ähnlich gute Erfahrungen gemacht. Einmal bei einer Mittelohrentzündung bei mir und einer Kolik eines Babys. Super Personal, hilfsbereit, beruhigend und kompetent. Könnten sich so einige hier eine dicke Scheibe von abschneiden.

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  4. Das muss man kein zweitesmal erleben.Gut das Du so professionelle Hilfe hattest und es Dir besser geht.Ich habe die Applewatch schon seit 3 Jahren und es ist der Wahnsinn was die im Zusammenspiel mit einem iPhone kann.Dir weiter gute Besserung und das Du bald mal wieder in die Luft kommst

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  5. Hi Göldi,

    zu aller erst weiterhin Gute Besserung & nun vor allem eine tolle Genesungszeit, da bist Du ja eh am derzeit am Besten Platz, für Lunge, Herz und Seele. Liebe Grüße auch an Steffi.
    Schade das ich Euch doch nicht mehr persönlich gesehen habe – Ihr mich aber mit meinem Blackbird :-), so nennt sich der Flügel tatsächlich.

    Vielen Dank auch dafür das Du dieses Erlebnis in deiner ganzen bestimmten Art & Weise mit uns geteilt hast – und wie du richtig sagst, es kann jeden treffen. Ich werde jetzt definitiv meine Uhr mal nutzen … Vielen Dank dafür!
    Toftum ging gestern NM noch ganz fein :-)! Besser hätte die Rückreise nicht sein können!

    Wünsche Euch noch ne tolle Zeit passt auf Euch auf und bis bald

    See you in the sky
    LG Sharif

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